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Tierhomöopathie ( Seite 1 | 2 )

Obwohl die Wirkung der Homöopathie von ihren Kritikern noch immer als Placeboeffekt abgetan wird, nimmt das Interesse an der Homöopathie ständig zu. Immer mehr Menschen lassen sich selbst, ihre Pferde und andere Haustiere homöopathisch behandeln. Die zahlreichen Behandlungserfolge bei Tieren lassen sich zudem kaum mit der Einbildungskraft der Vierbeiner oder dem Glauben an die Arzneiwirkung der homöopathischen Kügelchen erklären. Was ist also dran an der Homöopathie, was kann sie leisten, wie funktioniert sie?

Mit dem wachsenden Interesse an der Homöopathie, nimmt auch die Zahl der Handbücher für die homöopathische Selbstbehandlung von Mensch und Tier ständig zu. Bedauerlicherweise steht der Leser dennoch oft mit weitaus mehr Fragen als Antworten vor diesen Büchern wenn es um die konkrete Anwendung geht.
Zudem vermitteln die meisten dieser Bücher den Eindruck, homöopathische Arzneien seien vollkommen risikolos anzuwenden, da sie keine Nebenwirkungen zeigen würden.
Sicher kann man hier nicht im herkömmlichen Sinne von Nebenwirkungen sprechen, die tiefe der Wirkung homöopathischer Arzneien auf den Organismus wird jedoch häufig vollkommen unterschätzt.
So fühlen sich viele Tierhalter ermutigt, auch ohne tieferes Verständnis, selbst bei chronischen Beschwerden eigene Behandlungsversuche zu unternehmen. Sicherlich ungewollt, aber leider nicht selten verschlimmern Sie so die Beschwerden ihrer geliebten Vierbeiner.
Was die Homöopathie leisten kann, wie sie funktioniert und vor allem wie auch Laien verantwortungsvoll mit der Homöopathie umgehen und Ihren Tieren sicher helfen können wird das Thema dieser Artikelreihe zur Homöopathie für Pferde sein. Zudem erhalten Sie eine Anleitung für die Homöopathische Stallapotheke und zur ersten Hilfe bei Verletzungen und anderen akuten Erkrankungen.
Similia similibus curentur - Ähnliches ist durch Ähnliches zu heilen, so lautet der Grundsatz der Homöopathie, wie er von seinem Begründer
Dr. Samuel Hahnemann vor 200 Jahren formuliert wurde. Hahnemann war Arzt, Apotheker und Chemiker, mehrerer Fremdsprachen mächtig und ein ausgesprochen neugieriger und kritischer Geist.

Aus seiner Zeit stammt der Begriff „Roßkur“, da sich seine Arztkollegen gern damit rühmten dem einen oder anderen Patienten eine gehörige Dosis Merkur(Quecksilber) oder andere nicht gerade ungiftige Substanzen zu verabreichen, um dem Übel zu Leibe zu rücken. Auch wurde gern zur Ader gelassen und nicht selten wurde dabei übertrieben. So wandte sich Hahnemann in der Erkenntnis, das er mit diesen Methoden den Patienten mehr Leid als Hilfe angedeihen ließ, zunächst ganz von der Heilkunst ab und lebte von Übersetzungen und verschiedenen Lehraufträgen.
Bei der Übersetzung eines medizinischen Fachartikels stolperte er über einen Artikel, in dem die Heilung der Malaria(Wechselfieber), durch die Rinde des Chinabaumes, auf die Gerbsäure in der Rinde zurückzuführen sei. Als Arzt und Apotheker schien ihm diese Erklärung eher fragwürdig zu sein. In seiner Neugierde nahm er selbst einen Aufguß dieser Rinde zu sich und fand sich, zu seiner Überraschung, von wechselfieberartigen Symptomen heimgesucht.
Was hatte das zu bedeuten? Die Heilungserfolge waren durchaus beeindruckend. Da erinnerte sich Hahnemann an einen Satz des Griechen Hippokrates, in dem es hieß, daß Ähnliches durch Ähnliches geheilt werden könne. Auch Paracelsus hatte davon gesprochen.
Könnte damit gemeint sein, daß eine Arznei, die einem gesunden Menschen Krankheitssymptome zufügen kann, in dem Fall, wo der Mensch an einer Krankheit mit sehr ähnlichen Symptomen leidet, ihm zur Gesundung verhelfen kann?
Sollte sich diese These bestätigen, so wäre dies ein völlig neuer Ansatz in der Medizin. Gemessen an den Ergebnissen bei der Malaria-Behandlung, sogar ein sehr Erfolgversprechender!
So begann Hahnemann mit seinen Studien und Selbstversuchen und fand diesen Grundsatz immer wieder bestätigt. Die Arznei mußte nur in der Lage sein, Symptome zu erzeugen, die den Symptomen des Kranken ähnlich genug waren, um Heilung bewirken zu können. Die Symptome mußten jedoch den gesamten Zustand des Patienten, seine allgemeinen, körperlichen, emotionalen und geistigen Befindlichkeiten wiederspiegeln um eine dauerhafte Heilung zu erzielen.

Auf dieser Erfahrung und diesem Heilungsprinzip basiert die ganze Homöopathie. Da Arzneisubstanzen mit giftigen Wirkungen sehr heftige Symptome verursachen können, fing Hahnemann an die zu prüfenden Substanzen zu verdünnen. Dabei machte er die Entdeckung, daß die so verdünnten Substanzen in der Wirkung abnahmen. Hingegen zeigten die gleichfalls bei jeder Verdünnung verschüttelten Substanzen in der Arzneimittelprüfung unzweifelhaft deutlichere und nicht weniger intensive Symptome, ohne jedoch körperliche Schäden zu verursachen.
Auch bei der Verabreichung der Arzneien zur Heilung des Patienten bewirkten die potenzierten (verdünnt und verschüttelt) Arzneien eine sanftere und nachhaltigere Heilung.

Fassen wir zusammen:
- Die Homöopathie ist eine ganzheitliche Therapiemethode.
- Eine Krankheit kann geheilt werden, wenn eine Arznei verabreicht wird, die in einem gesunden Menschen oder Tier einen möglichst ähnlichen Zustand erzeugen könnte.
- Die Einnahme oder Verordnung einer homöopathischen Arznei allein ist jedoch noch keine Homöopathie.
- Erst durch die Verordnung nach dem Ähnlichkeitsprinzip wird es eine homöopathische Behandlung.
- Homöopathische Arzneien sind potenziert, d.h. die Arznei wird z.B. bei einer C 30 Potenz (C steht für centisimal = 1:100) 30 mal 1:100verdünnt und verschüttelt. Bei einer D 6 (D steht für dezimal = 1:10) wird die Arzneisubstanz 6 mal 1: 10 potenziert. Mit zunehmender Potenzierung nimmt die Wirkung, also die Qualität der Information in der Arznei zu. Eine C 1000 wirkt also wesentlich tiefer und nachhaltiger als eine C 30. Das ist zunächst nur schwer vorstellbar, aber wer einmal die Wirkung einer so hohen Potenz erlebt hat, verliert jeden Zweifel.
Dieses sind die Grundpfeiler der Homöopathie. Auf den ersten Eindruck mag es so erscheinen, als sei die Homöopathie gar nicht so schwer, man brauche nur die passende Arznei zu finden und schon wird der Patient gesund. Das ist im Prinzip auch richtig, nur leider gibt es weit über 1000 homöopathische Arzneien und es gilt, die für den Patienten individuell passende Arznei heraus zu finden.
Zudem ist bei der Begleitung eines Patienten im Heilungsverlauf unendlich viel zu beachten, richtig einzuschätzen und dementsprechend zu verfahren. Besonders bei chronischen Erkrankungen ist daher von der Behandlung durch einen Laien dringend abzuraten.

Erinnern wir uns an die Erfahrungen, die Hahnemann mit der Chinarinde gemacht hat und später mit potenzierten Arzneien. Zunächst wurde er durch die Arznei „krank“, zumindest zeigte er Krankheitszeichen, die durch die Arznei hervorgerufen wurden, und das geschieht selbst bei den potenzierten Arzneien schon nach wenigen Gaben. Falsch angewandt (z.B. zu häufig verabreicht) können homöopathische Arzneien also durchaus Krankheitssymptome hervorrufen. Es handelt sich also keineswegs um harmlose Arzneien. Aber woran liegt das, wenn doch eigentlich nichts drin ist?

Aus Sicht der modernen Wissenschaft gibt es bisher keine endgültige Erklärung für die Wirkungsweise der Homöopathie.
Unzählige Erfahrungen aber auch wissenschaftliche Untersuchungen konnten die Wirkung jedoch eindeutig belegen.
Auch der Magnetismus ist bis heute nicht erklärt, nur bezweifelt niemand seine Wirkung, denn seine Existenz ist leicht sichtbar zu machen. Was die Wirkung der Homöopathie betrifft, ist sie am besten an der Wirkung auf den Patienten zu erkennen. Ich möchte Ihnen daher einen Fall schildern, der sowohl das Prinzip, als auch die Wirkung sehr schön verdeutlicht.

Beispiele:
Fall 1: Lato, ein 17 jähriger Wallach wurde mir am 8. Sept. 92 vorgestellt. Er litt seit April des Jahres an Durchfall. Als auslösende Ursache wurde verdorbenes Brot vermutet. Der Durchfall wurde zunehmend schlimmer, besonders bei jeder Form der Belastung nahm der Durchfall stark zu.
Der Kot war grün mit einer Konsistenz wie Spinat, also wie ein Kuhfladen. Zeitweise war er wässrig mit unverdauten Getreidekörnern.
Der Kot roch wie Schweinemist. Seit er den Durchfall hatte, bestanden laute Darmgeräusche.
1991 hatte er Nierenprobleme mit vermehrtem Wasserlassen. Der Urin war sehr schleimig, bzw. dickflüssig und dunkel. Zu der Zeit bestand kein großer Durst. Zum Zeitpunkt der Behandlung trank er sehr viel und häufig, aber nur kleine Mengen auf einmal.
Soweit der Bericht des Besitzers. Er war sehr skeptisch, aber wollte es doch noch einmal mit der Naturheilkunde versuchen. Die Vorbehandlung durch den Tierarzt war vollkommen ohne Erfolg. Auch ein 2 wöchiger Klinikaufenthalt brachte nur eine geringfügige Besserung. Zu Hause ging es sofort wieder los. Besonders schlimm ist es, wenn das Tier auf die Koppel kommt und Grass frißt. Im Stall, mit viel Rauhfutter geht es.
Über seinen Charakter äußerte sich der Halter so: „Lato ist ein recht temperamentvolles aber auch sehr feinfühlendes Tier. Er geht immer vorn! Wenn er galoppiert, schwitzt er leicht am Hals und der Brust. Auch bei Aufregung schwitzt er leicht an der Brust.“Weiterhin erfuhr ich, daß er sonst sehr gutmütig sei, auch mit anderen Pferden. Er mache einen verspannten Eindruck. Angst zeige er nur vor richtig lauten Geräuschen, sonst sei er nervenstabilEr sei Staubempfindlich, bei naßfeuchtem Wetter oder Zugluft bekäme er sofort einen Schnupfen mit weißlich, milchig, flüssigem Nasenausfluß.Überhaupt sei er sehr empfindlich, auch mit der Haut. Er habe eine sehr zarte empfindliche Haut und reagiere stark auf Insektenstiche. An den Genitalien war er deshalb sogar einmal blutig.Er möge keine Hitze, keine Sonne, davon würde er sehr schnell apathisch.
Bei Regen und Wind käme es vor, daß er zittere.
Auf meine Frage nach evtl. Auslösern oder Ursachen, erfahre ich, daß vor 2 Jahren hinter dem Pferdestall 2 Gänse gelebt hätten, die dann wahrscheinlich durch ein Gift umkamen. Die Halter meinten, daß es dem Pferd seit dem schlechter ging, daß es antriebsloser war, wie plötzlich gealtert aussah und sehr mutlos wirkte. Das habe sich jedoch nach der Behandlung in der Tierklinik vor 3 Wochen etwas gegeben. Beim gehen sagte der Halter noch: "Ach ja, er mag keine Männer."
Ich verglich die Symptome des Patienten mit den Symptomen der Arzneimittel und fand, daß Pulsatilla recht gut passen könnte. Und da Pulsatilla keine Männer mag fiel mir die Wahl nicht schwer. So erhielt er eine Gabe Pulsatilla C 200.
Die folgenden Notizen über den Behandlungsverlauf sind im original abgedruckt.Tel. Bericht am 21. 9. 92: Der Kot ist weniger dünn, wie Griesbrei, der Appetit ist gut. Hafer ist auf die hälfte reduziert. Nasenausfluß ist nicht wieder aufgetreten. Darmgeräusche sind nach wie vor laut. Die Stimmung des Tieres ist gut. Der Kot riecht nicht mehr so.Tel. Bericht 28. 9. 92: es ist wieder schlechter, zwischendurch mal ein Tag besser aber heute auch wieder schlechter. Er hatte Birnen gefressen, evtl. lag es daran. Er wird täglich spazierengeführt, ist dabei recht temperamentvoll. Er gräbt nach Baumwurzeln, Erde und Sand. Der Kot stinkt wieder so stark; er hat etwas abgenommen.1. 10. 1992: Es hat sich wieder gebessert, es sind noch keine Äpfel, aber dickbreiig. Frißt wieder gut. Auch beim Ausführen kein Durchfall mehr.8. 10. 1992 Hausbesuch. Wieder Freßunlust. Mag kein Rauhfutter mehr; möchte Grünes. Durch Bewegung wird der Kot noch immer etwas dünner. Leckt z. Zeit viel an Salzleckstein. Durst ist noch immer stark.Nun waren gut zwei Wochen vergangen und ich hatte den Eindruck, mit der Arznei knapp daneben zu liegen und überarbeitete den Fall noch einmal. Auf meine Frage nach einer evtl. auslösenden Ursache, hatte der Tierhalter ja den Tod der Gänse erwähnt. Dieses Ereignis lag jedoch ca 1 1/2 Jahre vor Eintreten des Durchfalls, sodaß ich ihm bei der Arzneimittelwahl zunächst nicht so viel Gewicht einräumte. Als ich den Fall wegen der nur bedingten und schwankenden Besserung jedoch noch einmal überarbeitete, schien doch von da an eine Verschlechterung des allgemeinen Befindens eingetreten zu sein. So stufte ich die Folgen dieses Kummers bei meiner zweiten Verschreibung sehr viel höher ein und verordnete Natrium muriaticum. Das ist gewöhnliches Kochsalz, aber natürlich in potenzierter Form. Ähnlich wie das Kochsalz zur Konservierung von Speisen eingesetzt wird, scheint es besonders dazu geeignet zu sein emotionale Verletzungen zu konservieren. Die Patienten kommen aus ihrer Trauer nicht mehr heraus und entwickeln in der Folge auch körperliche Leiden. Zudem deckten auch hier alle anderen Symptome sehr gut das Bild von Natrium muriaticum ab. Ich verabreichte das Mittel in der Potenz C200, eine Gabe 2-3 Globuli.Tel. Bericht eine Woche später: Er äpfelt wieder, der Kot ist vollkommen normal. Auch Weidegang verträgt er ohne Nachteile. Er macht einen sehr guten Gesamteindruck, nimmt wieder ganz anders am Leben teil und ist nicht mehr so angespannt. Er ist wirklich gut drauf.Ein Jahr später entwickelte er neben seinen Altersherzbeschwerden nocheinmal ähnliche Symptome. Diesmal konnte Ihm jedoch weder die Homöopathie noch die Schulmedizin helfen. Es schien so, als ob seine Uhr abgelaufen war.Analyse: Dieser Fall veranschaulicht, recht eindrucksvoll, wie wichtig es ist, den emotionalen Zustand des Patienten in die Analyse des Falles mit einzubeziehen.
Mit homöopathischen Mitteln, die nur die Durchfall-Symptome abdecken, wäre hier keine Besserung möglich gewesen. Auch zeigt er, wie notwendig eine genaue Analyse des Behandlungsverlaufes ist .
Aber zurück zur Wirkung, zu dem was eine homöopathische Arznei auslöst und weshalb sie das eine mal wirkt und das andere mal überhaupt nicht.
Auch das ist im Prinzip ganz einfach, denn wenn eine Arznei nicht ähnlich genug ist, zeigt sei keine oder nur eine sehr geringe Wirkung. Alle homöopathischen Arzneien sind am gesunden Menschen geprüft (ausnahmsweise einmal keine Tierversuche), daß heißt der Prüfling nimmt eine homöopathische Arznei zu sich und beobachtet die Wirkung auf seinen Körper und sein Gemüt. Dabei hat sich gezeigt, daß nur derjenige Symptome erzeugt, dessen Reaktionsmuster dem Symptomenmuster der Arznei ähnlich genug ist.
- Grafik einfügenDas hat mit einer Art Erkenntnisprozeß zu tun. Die homöopathische Arznei spiegelt den Zustand des Patienten, sie zeigt ihm das Muster auf, mit dem er gewöhnlich auf seine Umwelt reagiert. Der Patient „erkennt“ sein „falsches“ Muster und kann es verändern. Nur geschieht dieser Prozeß nicht mit dem Verstand, sondern wie eine Art Blick in den Spiegel der Seele.
Das klingt vielleicht etwas abgehoben oder esoterisch. „Der Blick in den Spiegel der Seele...“ Aber so ganz aus der Luft gegriffen ist es nicht. Wir alle kennen das. Eine gewisse Neigung bestimmte Fehler durchaus zu wiederholen können wir nicht von uns weisen. Sie ist tief in uns verwurzelt. Oft sind es die alltäglichen Kleinigkeiten, die Art und Weise, wie wir auf unsere geliebten Vierbeiner, unsere beste Freundin, die Eltern, den Lehrer, die Vorgesetzten und wen auch immer reagieren. Häufig spielen sich die Verhaltensmuster mit einer gewissen Regelmäßigkeit ab. Das gilt auch für unsere Pferde. „Jedes mal, wenn meine Stute roßt, ist sie nicht zu reiten, schlecht gelaunt, hebt die Hufe nicht und keilt auch schon mal aus“. Oder: „... immer wenn ich nur ein wenig mehr von meinem Pferd verlange, benimmt er sich wie ein Esel und wird vollkommen stur“ Die Stute dagegen wird panisch und will nur noch weg, läßt sich kaum noch beruhigen, jede Kleinigkeit regt sie auf“. So hat jeder Mensch und jedes Tier seine ganz individuelle und besondere Art auf seine Umgebung zu reagieren. Diese individuelle Art drückt sich am deutlichsten in den unbewußten Verhaltensmustern aus.
Der Verstand mag die eigenen Fehler benennen können, verändern kann man sein Verhalten jedoch oft erst, wenn das Verstehen auch im Bauch angekommen ist, wenn es auf einer tieferen Ebene „erkannt“ wurde. Erst wenn das Verstehen verinnerlicht und angenommen ist, kommt es zu einem Entwicklungsschritt.
Dieses „Verstehen“ ist ein energetischer, unterbewußter Prozeß und er läßt sich auf beeindruckende Weise durch die richtige homöopathische Arznei anregen.
Das falsche Muster muß also auf allen ebenen „erkannt“ werden, damit es verändert werden kann, aber wie weit gehen die Veränderungen? Was macht die Arznei mit meinem Pferd? Sicher wird aus Ihrem braven Islandpony nicht plötzlich ein feuriges Araber, aber wenn das brave Verhalten ihres Isländers mit Lustlosigkeit, Rückzug, fehlender Herdenintegration gepaart war, wird Ihr Pony durch eine homöopathische Behandlung etwas interessierter am Leben werden, sich besser in die Herde integrieren, seine Position dort finden und sicher auch einmal zeigen, was es selbst möchte.
Auch auf der körperlichen Ebene neigen unsere vierbeinigen Freunde, ähnlich wie wir, zu immer den selben „Verhaltensmustern“. Die Art und Weise, wie wir auf Streß, feuchtes und kaltes Wetter, Hitze, einen Pilz oder einen grippalen Erreger reagieren, ist häufig sehr ähnlich. Das eine Pferd neigt dazu Rehe zu entwickeln, das andere fängt leicht an zu Husten, oder neigt zu Sommerekzem, Mauke, Lahmheiten oder Rückenproblemen.
Die Einheit von Körper, Geist und Seele läßt sich nicht durch eingeschränkte Betrachtungsweisen, wie sie in der Schulmedizin leider immer noch üblich sind aus der Welt schaffen. Wenn ein Lebewesen erkrankt ist, drückt sich seine Schwäche immer auf allen Ebenen aus.
Ich wurde zu einem 13 Jahre alten dunkelbraunen Hannoveraner Wallach gerufen, weil er seit einiger Zeit beim Reiten, aber auch bei der Bewegung im Trab und Galopp ohne Reiter häufig mit dem Kopf nickte. Dieses Nicken wurde besser in der Ruhe und schlechter in der Bewegung. Eine auslösende Ursache war nicht bekannt.
Es besteht eine Neigung zu Schwellungen der Beine (Fesselgelenke), vor allem hinten links, die jedoch durch Bewegung gebessert wird. Die rethropharyngealen Lymphdrüsen waren beidseitig geschwollen.
Das Pferd schwitzt leicht am Hals und an der Schulter, bei stärkerer Belastung auch am ganzen Körper. Die Schleimhäute sind trocken. Es sind keine Wetterempfindlichkeiten bekannt, auch ist nicht bekannt, ob das Tier viel oder wenig säuft (Selbsttränke). Der Wallach ist vom Widerrist den Hals hinauf sehr verspannt. Er wird ganzjährig in der Box gehalten und einmal täglich für ein bis zwei Stunden bewegt oder geritten. Er geht M-Springen.Er stand bei der Vorstellung und während des Anamnese-Gespräches, eine gute halbe Stunde still, ohne sich vom Fleck zu bewegen und das, obwohl er sich frei in der Halle hätte bewegen können.
Bei der weiteren Befragung erfuhr ich, weshalb der Wallach ausschließlich in der Box gehalten wurde: "Wir haben versucht ihn auf die Koppel zu bringen, auch mit anderen Pferden, es hat einfach keinen Sinn, er geht über jeden Zaun und läuft auf dem schnellsten Weg zurück in den Stall".
Dieses für Pferde wirklich sehr eigentümliche Verhalten führte mich direkt zu der richtigen Arznei.
Es gibt das Symptom, „Will nach Hause gehen“, das in der Arzneimittelprüfung besonders ausgeprägt von der Arznei Bryonia alba, (weiße Zaunrübe, ein Rankgewächs) erzeugt wurde. Auch die anderen Symptome des Pferdes passen sich in das Bild ein das Bryonia erzeugen könnte.
Der Wallach erhielt eine Gabe Bryonia alba C 30. Eine Woche später erfuhr ich, das er wesentlich lebhafter geworden ist, aufmerksamer, entspannter wirkt. Auch die Beine sind nicht mehr dick. Die Verspannung der Rücken und Halsmuskulatur ist nicht mehr nennenswert. Das "Nicken" ist fort und der Springreiter, der ihn regelmäßig trainiert, meinte:" Er ist ja wieder ganz der Alte". Das Tier konnte auch wieder zu den anderen Pferden auf die Weide gestellt werden, ohne über den Zaun zu gehen und nach Hause zu laufen.Der Weg zur richtigen Arznei lag in diesem Fall in der Beobachtung eines auffälligen psychischen Symptomes. Das Nicken war nur Ausdruck einer körperlicheren Ebene und spiegelte die innere Unfreiheit des Patienten wieder. Der Wallach zeigte ein artspezifisch völlig unnormales Verhalten und darin lag der Schlüssel zur Lösung dieses Falles. Auch die allgemeinen Empfindlichkeiten, die trockenen Schleimhäute, die Verspannung des Rückens, die Schwellung der Beine und der Lymphgefäße paßten in das Bild von Bryonia.
Das Ergebnis zeigt, wie weitreichend und anhaltend eine einmalige Gabe der passenden homöopathischen Arznei zur Heilung beitragen kann.
Mit freundlicher Genehmigung entnommen der Website:
http://www.schule-der-tierhomoeopathie.de

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Last Update: 06-Jul-2009->
© 2001 - 2009 Hartmut Götze