Wissenswertes
Xenophon - Pferdekauf 2

Anweisung für den Kauf eines zugerittenen Pferdes Wer ein zugerittenens Pferd kaufen will, möge folgende Regeln beim Pferdekauf beachten, damit er nicht betrogen wird.Zuallererst darf ihm nicht verborgen bleiben, wie alt das Tier ist.
Denn ein Pferd welches keine Kennzähne (Kunden) mehr hat, erweckt weder frohe Hoffnungen, noch kann man es leicht wieder los werden.
Ist es also noch jung, so darf dem Käufer aber nicht verborgen bleiben, wie es sich dabei verhält, wenn man ihm das Gebiß ins Maul legt oder das Genickstück beim Aufzäumenüber die Ohren schiebt.
Ob hierbei Schwierigkeiten entstehen, wird sich am besten erweisen, wenn vor den Augen des Käufers der Zaum abgenommen und wieder aufgelegt wird.
Man muß auch darauf achten, wie es den Reiter auf den Rücken nimmt.
Es gibt nämlich viele Pferde, die sich dagegen sträuben, weil sie wissen, daß sie sich anstrengen müssen, wenn der Reiter erst einmal oben ist.
Man muß auch prüfen, ob es, wenn man es bestiegen hat, gern von anderen Pferden weggeht oder ob es, wenn man es von haltenden Pferden wegreiten will, "klebt" oder zu ihnen zurück will.
Es gibt auch solche Pferde, die wegen ihrer schlechten Erziehung von den Reitübungen auf dem Reitplatz auf und davon gehen und auf dem Rückweg zum Stall durchgehen.
Ob und auf welcher Seite ein Pferd hartmäulig ist, verrät die Schule, welche man "Pede" nennt
(bedeutet im antiken Sinne" Zirkel".), noch weit mehr aber das Wechseln von einer Hand auf die andere.
Den viele machen keinen Versuch zum Durchgehen, wenn nicht die harte Seite des Mauls und der Ausweg, aus der Schule nach Hause zu kommen, auf einer Seite zusammenfallen.
Man muß auch wissen, ob es sich aus einer schnellen Gangart rasch anhalten läßt und ob es gern umgekehrt und von neuem anspringt.
Man sollte auch ausprobieren, ob es durch einen Schlag gereizt, ebenso willig gehorcht.
Denn ein ungehorsamer Sklave oder ein ungehorsames Heer sind zwar recht unbrauchbar, ein ungehorsames Pferd ist aber nicht nur unnütz, sondern stiftet oft auch so viel Unheilan wie ein Verräter.
In der Vorraussetzung, das hier ein Kriegspferd gekauft werden soll, ist erforderlich, es für alle Kriegsfälle auszuprobieren.
Es muß also imstande sein, über Gräben zu springen, über kleine Verschanzungen hinwegzusetzen und Anhöhen zu erklimmen.
Auch sollte man es erproben,indem man bergauf, auf abschüssigem Boden und berab mit ihm reitet.Denn solche Prüfungen zeigen, ob der Geist mutigund der Körper ganz gesund sind.Man sollte aber das Pferd , das solche Übungen nicht gut beherrscht, doch nicht gleich verwerfen.
Viele können es nicht, weil sie darin noch nicht geübt sind, aber nicht deshalb, weil sie vielleicht keine Kraft dazu hätten.
Wenn sie es aber erst einmal gelernt haben und diese Übungen beherrschen, so werden sie das alles gut machen, sofern sie nur gesund und nicht von schlechten Charakter sind.
Von der Natur Scheuen aber muß man sich hüten, denn die allzu Furchsamen erlauben nicht, daß man auf ihnen den Feind Schaden zufügt.
Sie haben schon oft den Reiter abgeworfen und in die mißlichsten Situationen gebracht.
Man sollte sich auch beim Kauf möglichst gleich vergewissern, ob das Pferd irgendeine Untugend hat, sei es gegen Menschen oder Pferden und ob es kitzlige Stellen aufweist.
Denn all dieses wird für den Besitzer sehr lästig.
Die Unarten beim Aufzäumen oder Absteigen und die übrigen Tücken wird man am besten kennenlernen, wenn man, nachdem das Pferd sich schon angestrengt hat, wieder versucht, dasselbe zu tun, was man getan hat, ehe man zu reiten anfing.
Die Pferde die sich nach einer Anstrengung sich gern von neuem einer Anstrengung unterziehen, geben hinreichende Beweise eines willigen Charakters.Um kurz zusammenzufassen:
Pferde mit guten Beinen, sanftmütig und sschnellfüßig, die gern Anstrengungen ertragen und auch dazu kräftig genug sind, vor allem aber, die gehorsam sind, werden dem Reiter in Kriegsläuften am wenigsten Leid zufügen und am meisten zu seiner Rettung beitragen.
Dagegen verursachen Pferde, die entweder wegen ihrer Faulheit viel Antrieb nötig haben oder wegen ihres Temperamentes vieler Schmeicheleien und Besänftigungen bedürfen, dem Reiter so viel Mühe, daß er sie nicht gebrauchen kann und sich durch sie eher gefährdet sieht.
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Last Update: 06-Jul-2009
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