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Xenophon - Pferdekauf |
| Vom Pferdekauf Zu Beginn will ich darüber
schreiben, wie man am wenigsten beim Pferdekauf betrogen wird.Bei einem noch nicht
abgerichteten Fohlen soll man zunächst den Körper genau untersuchen,
weil das noch nicht zugerittene Jungpferd von seinem Temperament durchaus
noch keine klare Vorstellung zuläßt. Zuerst sind also beim Körper die Füße kritisch zu betrachten. Denn wie ein Haus wertlos und ohne Nutzen ist, wenn zwar die oberen Teile ganz schön gebaut sind, aber nicht auf einem festen Baugrund stehen, so ist auch ein Kriegspferd zu nichts nutze, wenn sonst alles an ihm gut und wohlgestaltet ist, die Füße dagegen schwach und häßlich.Dann könnten nämlich alle seine übrigen Vorzüge auch nicht zur Geltung kommen.Bei der Prüfung der Pferdebeine sollte man sehr aufmerksam die Hufwände untersuchen. Dicke übertreffen die dünnen in jeder Beziehung. Man achte auch darauf, ob die Hufe sowohl vorn wie hinten hoch oder flach sind.Hohe Hufe halten den sogenannten Strahlweit vom Boden ab, während flache Hufe so aufliegen, daß sie mit dem stärksten Teil ebenso wie mit dem weichsten des Hufes auftreten, genauso wie ein Mensch mit Plattfüßen.Auch durch den Klang sind die mit guten Füßen und Hufen begabten Pferde zu erkennen, wie auch Simon schon berichtet hat. Der hohle Huf klingt auf dem Boden wie eine Cymbel, jenes antike Musikinstrument aus zwei metallenden Becken bestehend, die zusammengeschlagen einen hellen Ton hervorrufen.Beim Wichtigsten, dem Pferdehuf, hab ich bei dr Untersuchung angefangen. Nun wollen wir gemeinsam zu dem übrigen Körper hinaufsteigen.Die Knochen über den Hufen (Kron- und Fesselbein) dürfen nicht so steil sein, wie bei einer Ziege, weil eine so gewinkelte Fesselung ein stärkeres Zurückprallen verursachen und beim Gang den Reiter stoßen würde. Die Beine würden sich auch an der Seite eher entzünden. Das Fesselgelenk darf aber auch nicht zu niedrig liegen, denn die Köten würden dann die Haare verlieren, und es würden sich Geschwüre (Mauke) bilden,wenn das Pferd auf Erdschollen oder Steinen geritten würde.Die Schenkelknochen sollen stark sein, denn sie sind die Stützen des Körpers, trotzdem aber nicht dickadrig und dickfleischig. Denn sind sie mit dickem Gewebe umgeben, so werden sie, wenn das Pferd auf hartem Boden geritten wird, schnell blutunterlaufen, so entstehen erweiterte Blutgefäße, die Schenkel werden plump, und die Haut löst sich ab.Wenn die Haut aber schlaff wird, so hat sich auch schon oft das Griffelbein abgelöst und dadurch Lähmung verursacht.Wenn das Fohlen beim Gehen die Knie geschmeidig beugt, kann man darauf rechnen, daß es auch unter dem Reiter gelenkige Schenkel haben wird. Denn alle beugen im Laufe der Zeit die Beine gelenkiger in den Knien.Guter Kniebug ist aber mit Recht sehr geschätzt, denn es bewirkt, daß das Pferd weniger stolpert und auch weniger stößt als bei steifen Schenkeln.Die Arme, die unterhalb der Schulterblätter liegen, sehen, wenn sie muskelös sind, kräftiger und schöner aus, wie beim Menschen.Eine breitere Brust ist in bezug auf Schönheit und Kraft besser gebaut und gibt der Bewegung der Schenkel weiteren Raumgriff.Von der Brust aus darf der Hals nicht schlaff nach abwärts sinken, wie bei einem Schwein, sondern wie bei einem Hahn gerade zum Genick aufsteigend und in der Ganaschengegend muß er schmal sein.Der Kopf sei knochig mit kleinen schmalen Kinnbacken. So wird der Hals vor dem Reiter geradestehen, das Auge aber vor die Füße sehen.Ein solcher Art gebautes Pferd wird am wenigsten wiederspenstig sein können, wenn es auch noch so feurig wäre. Denn die Pferde versuchen nicht, wenn sie Hals und Kopf biegen, wiederspenstig zu sein, sondern wenn sie sich im Genick versteifen.Es ist auch wichtig zu wissen, ob das Pferd hart- oder weichmäulig ist.Manchmal ist es auch nur an einer Seite hart. Denn meistens wird bei ungleichem Unterkiefer eine Seite hartmäulig.Stehen die Augen etwas vor, so sieht das beim Pferd munterer aus, als wenn sie tief liegen; ein solches Pferd wird wohl auch weiter sehen können.Weitgeöffnete Nüstern sind zum Atmen besser als eingefallende, geben auch ein edleres Aussehen.Wenn ein Pferd in Zorn gerät oder beim Reiten hitzig wird, erweitern sich die Nüstern. Eine breite Stirn und kleine Ohren geben dem Kopf ein gefälligeres Äußeres.Der hohe Wiederrist gewährt dem Reiter einen festeren Sitz und gibt den Schultern eine stärkere Verbindung.Ein breiter, gefurchteter Rücken ist zum Sitzen weicher und angenehmer als ein spitzes Rückrat.Auch die höheren, weit oben beginnenden und gegen den Bauch zu weiter gewölbten Rippen lassen den Reiter bequemer auf dem Pferde sitzen.Es bekommt dadurch einen kräftigeren Bau, auch lassen sich solche Pferde besser füttern. Je breiter und kürzer die Lenden sind, desto leichter hebt das Pferd seine Vorhand und desto leichter schiebt es das Hinterteil vor.Auch erscheint so die Flanke geschlossener, welche, wenn sie eingefallen ist, das Pferd selbst teils entstellt, teils auch schwächer und schwerfälliger macht.Die Hüften aber müssen breit und fleischig sein, damit sie mit den Seiten und der Brust im rechten Verhältniss stehen. Wenn sie recht muskelös sind, sowerden sie dem Laufe förderlich sein und das Pferd noch rascher machen.Wenn die Keulen, die unter dem Schweif liegen, durch eine breite Linie getrennt sind, muß das Pferd auch die Hinterschenkel weit auseinandersetzen. Dadurch wird es mehr Lebhaftigkeit und Kraft sowohl beim Niederlassen (es handelt sich um eine Art der Erleichterung des Aufsteigens bei alten Reitern, indem das Pferd abgerichtet wurde, die Vorderfüße weit nach vorn und die Hinterfüße weit nach hinten zu stellen, um so niedriger zu werden) als auch beim Reiten zu haben.Etwas ähnliches kann man auch beim Menschen beobachten. Wenn dieser etwas von der Erde aufheben will, so versucht er es, indem er die Beine spreizt.Ein gutes Pferd darf auch keine großen Hoden haben, was man beim Fohlen noch nicht beurteilen kann.Über die Teile der Hinterhand, wie Sprungbein, Schienbein, Köten (Fesselgelenk) und Hufe, gilt dasselbe wie bei der oben beschriebenen Beurteilung der Vorderhand.Ich will aber auch darauf hinweisen, wie man bezüglich der Größe eines Pferdes am vorteilhaftesten abschließt.Wenn bei einem Fohlen gleich nach der Geburt die Schenkel sehr lang sind, kann man mit Sicherheit darauf rechnen, daß es sehr groß werden wird. Denn im Laufe der Zeit wachsen bei allen Vierbeinern die Schenkel nicht so sehr in die Länge, im Verhältniss zu ihnen aber wächst der übrige Körper, damit er ebenmäßig wird.Wer nach diesen Gesichtspunkten die Gestalt eines Fohlen prüft, wird meiner MEihnung nach am ehesten ein mit guten Beinen begabtes, muskelkräftiges, schönes und großes Pferd bekommen. Sollten sich einige während ihres Wachstums anders entwickeln, so ist das kein Gegenbeweis einer solchen Prüfung, denn der Regel nach werden bei weitem mehr Pferde aus unscheinbaren Fohlen wohlgestaltet, als aus gutproportionierten häßlich.
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