Fütterung der Pferde...
Fruktane die Gefahr im Gras?
Seite 1 Seite 2 Seite 3 Hufrehe und Fruktane

Pferde stellen, das muss leider bei aller Sympathie sachlich festgestellt werden, offensichtlich eine Herausforderung für Weiden dar. Jeder von uns kennt den Anblick eine Koppel, wo außer in tropischer Pracht wucherndem Unkraut kaum ein Grashalm mehr zu finden ist, geschweige denn wertvolle Futterpflanzen wie Untergräser und Kräuter.
Dabei gibt es kaum etwas schöneres für Pferde, als auf ausreichend großen, sachgerecht eingezäunten und gepflegten Weiden entsprechend ihres natürlichen Bewegungsdranges sich in allen Gangarten und auch mal nach Herzenslust buckelnd bewegen zu dürfen, sich nach Belieben die schmackhaftesten Gräser und Kräuter heraussuchen zu können und ungestört vom Menschen mit anderen Pferden Sozialkontakt zu pflegen.
Pferde mit diesen Möglichkeiten sind nicht nur glücklicher, sondern auch gesünder, ausgeglichener und leistungsfähiger.

Es gibt kein „Allheilrezept“ für gepflegte Weiden, denn dafür sind die Gegebenheiten zu unterschiedlich, die durch etliche Faktoren wie z. B. Bodenbeschaffenheit, Anzahl der Pferde etc. beeinflusst werden. Wir wollen Ihnen hier in aller Kürze die Hauptfaktoren erklären, die zu einer Verunkrautung der Weiden beitragen und Hinweise für die Pflege von Weiden und die Eindämmung der Unkrautherde geben.

Auswirkung der Pferdeweidung auf die Weidenarbe

Die Grasnarbe einer Weide wird neben der Bodenbeschaffenheit und den darauf wachsenden Pflanzen in erster Linie vom Tritt, dem Verbiss und den Exkrementen der Tiere bestimmt.
Eine stabile Weidenarbe sollte deshalb aus vielen tritt- und verbissunempfindlichen Gräsern und Kräutern (z.B. Deutsches Weidelgras, Wiesenlieschgras, Knaulgras, Wiesenrispe, Rotschwingel, Wegericharten, Löwenzahn, Weißklee u.a.) bestehen.
Die Artenverbindung einer Weidegesellschaft ist stabil, wenn sie auf die einwirkenden Faktoren (Licht, Nährstoffversorgung, Tritt und Verbiss) eingestellt ist. Die Veränderung auch nur eines Faktors hat zur Folge, dass das gesamte aktuelle Artengefüge instabil wird – die Weide verunkrautet.
Viele wertvolle und schmackhafte Untergräser (Wiesenrispe, Deutsches Weidelgras, Rotschwingel) werden verdrängt, wenn der Lichteinfall durch hochwüchsige Grasarten eingeschränkt wird (z.B. bei Geilstellen).
Ebenso verschwinden Arten, wenn die Trittbelastung oder der Verbiss überhand nehmen und an ihre Stelle treten dann sehr schnell Unkräuter.

Der Tritt

Pferde stellen mit ihren harten, - im Verhältnis zum Körpergewicht – kleinen Hufen und ihrer Neigung sich auf der Weide auszutoben um Vergleich zu Rindern eine enorm strapaziöse Wirkung auf die Grasnarbe dar.
Der Huftritt führt zur Zerstörung assimilationsfähiger Organe der Pflanzen direkt an der Bodenoberfläche und zum Absterben der ansonsten sehr regenerationsfähigen Gräser und Kräuter der Weidenarbe. In den entstehenden Lücken keimen dann sehr schnell unerwünschte Pflanzen. Dies sind z.B. Disteln, Brennesseln, Vogelmiere, Hahnenfuß, diverse Ampferarten und nicht zuletzt auch der Klee.
Durch die hohe Drucklast pro Huftritt wird der Oberboden einer Pferdeweide zudem stärker als der einer Rinderweide verdichtet. Ein verdichteter Oberboden verringert die Versickerungsrate und hemmt den Nährstoffumsatz aufgrund geringer Luftkapazität. Dies fördert die Ausbreitung von Wegerich, Gänsefuß, Jähriger Rispe und Vogelknöterich.

Der Verbiss

Pferde rupfen mit den Lippen und Schneidezähnen den Aufwuchs dicht über der Bodenoberfläche ab. Durch den Verbiss werden aber nicht wie durch Tritt unterirdische Speicherorgane geschädigt, sondern es bleibt auch bei tiefen Abrupfen noch assimilationsfähige Blattmasse über der Bodenoberfläche stehen. Angepasste Pflanzen können sich wieder regenerieren. Aber Pferde selektieren stark. Sie lassen sogar abgerupfte Bissen wieder fallen, wenn sie schmackhaftere Pflanzen wittern. Die Geschmacksunterschiede werden bei Pflanzen einer Art durch unterschiedliche Feuchte- und Nährstoffverhältnisse auf der Weide hervorgerufen. Artenreicher Aufwuchs kann derartige Unterschiede kompensieren. Werden bestimmte Stellen häufig verbissen oder auch selten abgefressen, wird die Grasnarbe lückig und verunkrautet schnell. Feuchte Stellen auf Pferdeweiden sollten trockengelegt werden.

Die Exkremente

Pferde haben mehr als andere Weidetiere die Angewohnheit, nur an bestimmten Stellen einer Weide Kot abzusetzen. Wie alle anderen Weidetiere fressen sie über lange Zeit nicht an diesen (Geilstellen genannten) Orten arteigene Exkremente. Die Folgen sind lokale Entropierung und uneingeschränktes Wachstum der hochwüchsigen Gräser (damit Verdrängung der Untergräser, siehe oben). Wird nichts unternommen, so werden sich an diesen Stellen neben dem Verlust an Untergräsern ebenfalls Weideunkräuter nach und nach durchsetzen. Zumindest zweimal pro Woche den Kot absammeln, besser jeden 2. Tag, ist insofern nicht nur eine wichtige Maßnahme um die Verwurmung einzudämmen, sondern verhindert das Absterben der nährstoffreichen wichtigen Untergräser und die Ausbreitung von Unkraut.

Die richtige Besatzstärke

Die Weidepflege beginnt mit der Besatzstärke. Als Faustregel gelten 2 Großtiere / Hektar bei einer Standweide oder 0,2 Großtiere / Hektar bei einer Umtriebsweide.
Falls irgendwie möglich sollte von einer Standweidewirtschaft Abstand genommen werden und Weidewirtschaft als Umtriebsweide erfolgen.
So kann ein Teil von Wiesen oder eine Koppel abgefressen werden, während sich der andere erholen kann.

Weideauftrieb und Weidedauer

Der Weideauftrieb darf im Frühjahr nicht zu spät erfolgen, weil sonst hochwüchsige Gräser die Untergräser und Kräuter verdrängen. Aus dem gleichen Grund muss nach der Beweidung (vor der Ruhephase der Koppel) ein Reinigungsschnitt erfolgen. Viel Arbeit spart hier eine kombinierte Beweidung mit Rindern. Es verhindert das Auswachsen der Geilstellen, da Rinder an den Geilstellen der Pferde fressen und umgekehrt. Nur hat nicht jeder Betrieb gleichzeitig Pferde und Rinder.

Für diese Betriebe ist neben einem zumindest lokalen Reinigungsschnitt oder dem Mulchen auch das Absammeln von Kot (siehe oben) unverzichtbar. Die Weidedauer richtet sich nach der Größe der Fläche, der Wüchsigkeit und der Besatzstärke. Optimaler Weidebeginn ist gegeben, wenn der Aufwuchs etwa 20 cm hoch ist. Spätestens wenn der überwiegende Teil der Weide auf 4 cm heruntergefressen ist, müssen die Tiere auf andere Flächen gebracht werden (meist nach 2-3 Wochen).

In Regenperioden darf die Weidefläche nur kurz beweidet werden, da auf nassem Boden die Schädigung durch den Huftritt noch wesentlich stärker ist. In Trockenperioden darf man den Aufwuchs nicht ganz so tief abfressen lassen, sonst droht die Auflösung der Weidenarbe durch Vertrocknung. Hier ist dem Liegenlassen des Mähguts nach dem Reinigungsschnitt z.B. Mulchen auch der Vorzug zu geben, um den neuen Aufwuchs vor Austrocknung zu schützen.

Grundsätzliche Weidepause besteht von „der Laubverfärbung der Rosskastanie bis zur Blüte der wilden Kirsche“. Diese zugegeben blumige aber dennoch sinnvolle Regel gilt überall in Mitteleuropa und sollte auf jeden Fall beachtet werden.
Erfolgt der Weideabtrieb zu spät, sind die Pflanzen nicht mehr in der Lage, genügend Assimilate einzulagern und können im Frühjahr erst spät mit dem Wachstum einsetzen.

Düngung

Um den Nährstoffentzug durch den Verbiss flächendeckend zu kompensieren, muss die Weide regelmäßig gedüngt werden. Die Mindestdüngung garantiert die Leistungsfähigkeit der Grasnarbe; darüber hinaus kann die Düngung eine „ Bestandslenkung“ der Gräser und Kräuter vorgenommen werden. Gezielte Düngung hilft der Grasnarbe und den Tieren.
Sie ist ein Granat für die Beseitigung aktueller Mängel und hilft die Bedürfnisse der Pferde zu erfüllen. So kann z.B. mit Natriumdüngung die Fresslust – oder auf Fohlenweiden mit Calcium / Phosphatdüngung das Calcium / Phosphorverhältnis – beeinflusst werden und mit Kaliumdünger ist es z.B. möglich, Moosteppiche einzudämmen, gleichzeitig wird der Klee gefördert.
Grundlage für eine sachgerechte Düngung ist die fachgerechte Bodenanalyse.
Neben den Hauptnährelementen Calcium, Kalium, Magnesium, Phosphor und Stickstoff sollten gelegentlich auch Spurenelemente wie Kupfer und Zink analysiert werden.

Nur wenn die richtige Düngermenge zur richtigen Zeit fachgerecht ausgebracht wird, bleibt ein abwechslungsreicher, vitaler Aufwuchs erhalten. Von allgemeinen Düngempfehlung ist abzusehen, wenn der aktuelle Nährstoffvorrat im Boden nicht bekannt ist.
Bodenuntersuchungen sollten Sie alle 5 Jahre durch offizielle Bodenuntersuchungsanstalten, z.B. Landwirtschaftliche Forschungsanstalten durchführen lassen. Hierzu helfen Ihnen die für ihren Standort zuständigen Landwirtschaftskammern- oder Ämter sicher gerne weiter.
Guter Kompost (Mist sachgerecht zu kompostieren ist allerdings eine Kunst und Arbeit!) ist nach unserer Erfahrung allerdings die beste Möglichkeit eine stabile, dichte Grasnarbe mit Pflanzenvielfalt zu erzielen.

Was tun, wenn die Weidenarbe bereits stark verunkrautet ist?

Eine Weidenarbe ist verunkrautet, wenn ein Massenauftreten von bereits genannten Weideunkräutern festgestellt wird. Solange die verunkrauteten Stellen sich auf kleine Bereiche oder gar auf einzelne Pflanzen, z.B. Disteln beschränken, können wir durch häufiges Abmähen (Absicheln) ein Ausbreiten diese Pflanzen verhindern. Einzelne Ampfer- und Distelpflanzen können durch Abstreifen z.B. mit Round Up oder Garlon L60 schonend bekämpft werden.

Weißkleeflächen mit geringem Gräseranteil zeigen Überweidung und übermäßigen Tritt an. Eine Auflösung der von Weißklee beherrschten Flächen kann nur erfolgen, wenn hochwüchsiger Gräser mit gezielter Stickstoffdüngung gefördert werden. Anschließend muss gewährleistet sein, dass kein Nährstoffmangel auftritt und der Verbiss regelmäßig erfolgt.
Diese Stellen bleiben lange Zeit sensibel.
Nimmt die Verunkrautung bereits mehr als 30 % der Fläche ein, muss die Unkrautbekämpfung flächenhaft erfolgen. Die flächenhafte Unkrautbekämpfung ist zeit- und arbeitsaufwendig. Die betreffenden Stellen müssen für die Tiere unerreichbar bleiben, da die Abbauphasen der Bekämpfungsmittel zu beachten sind und die – ebenfalls nötig durchzuführende - Nachansaat gepflegt werden muss, bis sie weidefest ist.

Bester Zeitpunkt für die Nachansaat ist der Frühling oder der August. Die Fläche wird hierzu leicht geeggt (nicht zu tief!) und ein Samengemisch aus Rotschwingel (sehr schmackhaft und gleichzeitig bildet er mit seinen Ausläufern ein elastisches Graspolster), Wiesenrispe, Strausßgras und Weidelgras am besten mit der Drillmaschine ausgebracht.
Vierzehn Tage nach dem Keimen der Saat sollte ein „Schröpfschnitt“ durchgeführt werden, der vermehrten Lichteinfall und damit dichteren Wurzelfilz in den neueingesäten Flächen bewirkt. Grasmischungen zur Nachsaat sollten „regionstypisch“ sein, sprich den örtlichen Boden- und Witterungsfaktoren angepasst sein, so dass obige Empfehlung nur als Hinweis dienen kann. Nachsaat auf Pferdeweiden muss keinen Klee enthalten, da Klee auf fast jeder Pferdeweide von allein gerne im Übermaß vorhanden ist.

Auch wenn die Koppel überwiegend als „Erholung“ für Sportpferde dienen soll und weniger als Futtergrundlage, so bedarf sie dennoch der Pflege sollen sich Parasiten nicht beliebig ausbreiten und die Pferde infizieren und auch Sportpferde genießen es, sich die schmackhaftesten Gräser heraussuchen zu können und sich nicht nur auf kahlgefressenen, verbissenen, verunkrauteten und plattgetretenen Flächen zu langweilen und mit dem Koppelpartner als einzigste Abwechslung Händel anzufangen.
Für Gestüte in der Jungpferdeaufzucht, und sobald die Pferde im Sommer Tag und Nacht auf der Weide gehalten werden, ist durchdachte, regelmäßige Pflege ein „Muss“.

Verwandter Artikel: Fruktane im Gras, hier klicken...

Seite 1 Seite 2 Seite 3 Hufrehe und Fruktane

Mit freundlicher Genehmigung: iwest ® Dr. Meyer & Co. KG, Hohenpreißenberg, Germany.
Internet: www.iwest.de

Zurück

Links kein Menü? Klick hier!
Last Update: 06-Jul-2009
© 2001 - 2009 Hartmut Götze